Eugen Linher hatte die Idee eine mechanische Aufstiegshilfe für Schifahrer, also einen Schilift zu bauen. Dieser Gedanke ließ ihn nicht mehr los. Sein Schwager Alfred Wiederin hatte das technische Rüstzeug um diese Gedanken technisch in die Tat umzusetzen. Und sein Zwillingsbruder Hermann Linher war der Arbeiter, also derjenige der bereit war Hand anzulegen. Dies war die ideale Voraussetzung für die Geburtsstunde des Schilift Bazora. Das einzige was fehlte waren die finanziellen Mittel. So wurde aus den vorhandenen technischen und finanziellen Möglichkeiten die Erstellung eines Schleppliftes mit 6 Bügeln in Angriff genommen. Als die Firma Doppelmayr davon erfuhr wollte diese für die Verwendung der damaligen Bügel eine Lizenzgebühr einheben. Da kein Geld vorhanden war, musste für den Schilift Bazora eine andere Form für den Aufstieg gefunden werden. Daraus entstand dann der legendäre Schlittenlift. Dieser Schlittenlift hatte die Talstation im Bereich des heutigen Wochenendhauses von Hermann Linher, und die Bergstation in Höhe des heutigen Tännele, nur weiter rechts von unten gesehen. Wenn man heute von der damaligen Talstation zum Tännele hinauf schaut, kann man diese Lifttrasse unterhalb des Alpzaunes noch genau erkennen.

Als Antrieb wurde eine Dieselmotor verwendet. Die Antriebsscheibe bei der Talstation war ein Rad mit 120 cm Durchmesser und war mit Leder gefüttert. So wurde das Rutschen verhindert. Der Schlitten wurde an einem gespannten Rundumseil, das auf Masten, in der Luft geführt wurde, hochgezogen. Der Schlittenlift wurde also genau so gebaut, als ob es ein Schlepplift wäre. Nur mit dem Unterschied, dass anstatt der geplanten 6 Bügel die rundum fahren, ein Schlitten für 8 Personen angehängt wurde. Dieser wurde an diesem Rundumzugseil in der Luft vorne und hinten so angehängt, dass dieser noch am Boden fuhr und gleichzeitig die gewünschte Spur gehalten hat. Dieser Schlittenlift war von 1948 bis 1953, also 5 Winter in Betrieb. Im Jahre 1952 wurde von der Behörde für den Schlittenlift sicherheitstechnische Auflagen verlangt, die einen wirtschaftlichen Betrieb nicht mehr zuließen. Sowohl Eugen und Hermann Linher, als auch Alfred Wiederin waren sich einig: „Jetzt muss ein Schlepplift gebaut und die ganze Länge des Bazorahanges genutzt werden!“ Da zwischenzeitlich auch die Lizenzgebühr für die Schiliftbügel von der Firma Doppelmayr weggefallen ist, konnten diese nunmehr auch diese eingebaut werden. So wurde der Schlepplift über den Bazorahang im Jahre 1953 gebaut und ging bereits im Winter 1953/54 in Probebetrieb. Von der Behörde wurde eine vorläufige Fahrgenehmigung, mit Auflagen, erteilt. Am 30. Dezember 1954 erhielt der Schilift Bazora die endgültige Betriebsgenehmigung. Es war zu dieser Zeit neben dem Zürserseelift, der einzige Schlepplift in dieser Länge in ganz Vorarlberg. Der Bazoralift hatte eine Länge von knapp unter 1.000 m und war mit 28 Bügel und einer Stundenleistung von 280 Personen ausgestattet. Die Stützen waren zu dieser Zeit komplett aus Holz. Vom Boden bis zur Spitze, einschließlich Joch und Bug. Anfang der 60iger Jahre erfolgte eine Sanierung, da die Holzmasten im Boden verfaulten. So wurden Betonsäulen in den Boden gesetzt und teergetränkte Masten auf gestellt. Das Joch und der Bug wurden jetzt aus Stahl gefertigt. Die Bergstation wurde ebenfalls komplett umgebaut.

Der große Verlust an Bügeln im Betriebsbereich der Umlaufrollen veranlasste Alfred Wiederin einen neuen Bügelfang zu entwickeln. Dieser Bügelfang war eine absolute Weltneuheit und wurde in der Internationalen Seilbahnrundschau, Ausgabe 1/1959 unter der Überschrift „Bügelfang am Schlepplift Bazora in Frastanz, Vorarlberg“ vorgestellt.

1964 wurden die Besitzverhältnisse neu geregelt. Alfred Wiederin wurde Alleineigentümer des Schilift Bazora. Eugen Linher erstellte paralell dazu den sogenannten 6 Tannenlift, mit dem er dann nach Nofels Fresch übersiedelte. 1986 wurde der Bazoralift an Günter Reisch verkauft und von diesem auch betrieben. Im Juni 1988 wurde die gesamte Liftanlage durch einen Brand in der Talstation zerstört und bis zum Saisonbeginn wieder aufgebaut. Da der Liftbetrieb auf Grund der Schneelage und den schlechten Möglichkeiten zur Pistenpräparierung unrentabel wurde, drohte im Jahre 1994 die Betriebseinstellung.

Eine Personengruppe bestehend aus Vereinsvertretern des Schiklub Frastanz, Figl Fan Frastanz und WSV Fellengatter setzte sich die Erhaltung und den Weiterbetrieb des Schilift Bazora zum Ziel. Nach zahlreichen Besprechungen untereinander, mit dem Lifteigentümer, der Gemeinde und der Alpgenossenschaft, war der Weiterbetrieb zumindest für eine Saison gesichert. Die Betreibergemeinschaft Schilift Bazora mit den Vereinen Schiklub Frastanz, Figl Fan Frastanz und WSV Fellengatter hat den Liftbetrieb übernommen. Mitglieder dieser Vereine sicherten den Liftbetrieb jeweils ab Freitag Mittag, sowie Samstag, Sonntag, Feiertage und Ferientage ganztägig. Jetzt musste nur noch eine Lösung für den ordnungsgemäßen behördlichen und abgabenrechtlichen Betrieb gefunden werden. Schnell mussten wir erkennen, dass dies nur möglich ist, wenn ein registrierter Verein die gewerberechtliche Anmeldung vornimmt. Dies geschah in Absprache mit den 3 Vereinen von den Figl Fan Frastanz. In dieser Formation wird der Bazoralift nunmehr 12 Wintersaisonen betrieben. In diesen 12 Jahren wurde beim Bazoralift unheimlich viel bewegt. Es ist derzeit eine Anlage die bei entsprechender Schneelage, von der betriebsweise und Pistenbeschaffenheit mit anderen Schigebieten sehr gut mithalten kann.

Was wurde in diesen 12 Jahren alles gemacht:

2 neue (gebrauchte) Pistenwalzen (je eine aus dem Lechtal und Kärnten) wurden angeschafft und entsprechend adaptiert.

1 Seilwinde (gebraucht) wurde angeschafft und in Eigenregie von den Betreibern auf die Pistenraupe aufgebaut.

1 Garage für die Pistenraupe, wurde bei der Talstation gebaut.

1 neue Hütte bei der Bergstation wurde an einer für den Betriebsabalauf günstigen Stelle neu errichtet

Steinaktionen am ganzen Hang wurden und werden immer noch durchgeführt

Dornen mähen auf dem Alpgebiet ist laufend erforderlich

Jährliche Heuaktion unterhalb der Alpe zur Erhaltung der Schipisten

Schneefangzäune wurden aufgestellt zum Schutz vor Schneeverfrachtungen in den Wald

Laufende Instandhaltung der Liftanlage und Erfüllung der behördlichen Auflagen

Werner Gstach als Betriebsleiter und Anton Gabriel als unermüdlicher Antreiber und Mädchen für fast alles, sind ganz sicher die Stützen des Bazoraliftes. Sie sind bereits von Kindesbeinen an, mit dem Lift verbunden. Seit Bestehen der Betreibergemeinschaft sind diese beiden, zusammen mit Hans Wagner das Um- und Auf für den Liftbetrieb. Als kaufm. Leiter steht ihnen Hubert Gstach zur Seite. Daneben sind zahlreiche freiwillige und ehrenamtliche Helfer, hauptsächlich von den 3 Vereinen der Betreibergemeinschaft im Einsatz. Allein für Arbeiten rund um den Lift (ohne den eigentlichen Liftbetrieb) werden von freiwilligen Helfern jährlich ca 400 bis 500 Stunden geleistet. All diesen Helfern, der Marktgemeinde Frastanz und jenen Firmen die den Liftbetrieb unterstützen gehört ein ganz Großes „Danke schön“ für ihren Einsatz.

Der Schilift Bazora heute in Zahlen:

Länge:                           ca 900 m

Höhenunterschied:           ca 350 m

Gehängeanzahl:               61

Geschwindigkeit:              2,7 m/sec

Förderleistung:                740 Pers./h

Antriebsmotor:                Ford 6 Zylinder Dieselmotor

Leistung:                       138 PS (101 kW) und 5,9 l

Seilscheibe:                    Durchmesser 2,5 m

Förderseil:                      Durchmesser 19 mm Bruchlast 233 KN/mm²

 

Frastanz, 14. 8. 2006/Hubert Gstach